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15.05.2011
4. Sonntag der Osterzeit
Ich bin die Tür, wer durch mich eintritt, wird gerettet werden: er wird ein und aus gehen und Weide finden (Joh 10,9)
Wenn wir etwas erklären wollen, dann sagen wir es in Bildern. Ohne Bilder reden wir nicht. Wenn wir etwas deutlich sagen wollen, da bringen wir Beispiele, d.h. wir gebrauchen Bilder. Heute mehr denn je. Denn alle Nachrichten werden heute fast nur noch in Bildern und Symbolen übertragen: der Bildschirm des Fernsehers und der Bildschirm des Computers ist unentbehrlich geworden. Und darauf sind Zeichen und Bilder, mit denen wir umgehen, die uns Nachrichten übermitteln und uns Zusammenhänge klar machen wollen, die uns auch oft zum Narren halten!
Wir wissen auch, wie fragwürdig alle Bilder auch wieder sind. Alle Bilder sind mehrdeutig, keines kann alles ausdrücken und darum umschreiben wir immer in wieder in jeweils anderen Bildern, was wir ausdrücken wollen, und doch kommen wir dabei nie an ein Ende, das heißt, es ist unmöglich, daß wir end-gültig und ein-deutig die Wahrheit sagen könnten oder von anderen aufnehmen könnten.
Aber die Bilder können uns helfen zum Verstehen.
So gebraucht auch Jesus heute am Sonntag des Guten Hirten Bilder und Gleichnisreden.
Das Bild vom Hirten und den Schafen ist uns geläufig, vielleicht haben wir auch schon das Bild vom Guten Hirten in den römischen Katakomben gesehen, wo Jesus das verlorene Schaf auf seinen Schultern zurückträgt. Ein Bild für Güte, Liebe und Zärtlichkeit.
Heute spricht er in diesem Zusammenhang: Ich bin die Tür. Wir alle wissen, daß eine Tür notwendig ist. Sie ist zum Schutz da und sie kann nicht immer offen stehen, wenn sie auch diese beiden Bedeutungen hat: öffnen und schließen, durch Öffnen in die Freiheit führen oder durch Verschließen vor Gefahren schützen.
Jesus spricht von sich selbst: Ich bin die Tür: wir kennen das Bild von der offenen Tür, durch die alle Zugang haben. Gottes Liebe schließt ja niemanden aus. Kein Mensch in dieser Welt ist ausgeschlossen, selbst solche, die äußerlich nicht zu Christus gehören oder gehören wollen: Ich habe noch andere Schafe die nicht zu diesem Schafstall (d. h. zur sichtbaren Kirche) gehören. Auch sie muß ich führen, und sie werden auf meine Stimme hören; und es wird nur eine Herde geben und einen Hirten.
Da ist aber auch noch die Rede von den Türhütern. Auch sie haben eine Aufgabe. Sie öffnen und schließen. Wir haben hier in unserer Kirche das Bild von der Schlüsselübergabe an Petrus. Er hat die Schlüsselgewalt zusammen mit den anderen Aposteln bekommen und diese haben die Schlüsselgewalt weitergegeben durch die Jahrhunderte an die Bischöfe, die sie ausüben zusammen mit den besonders Berufenen in der Kirche, den Priestern und Diakonen. Sie sind nicht die Tür, sie sind nicht der Hirt, aber Diener an der Tür und Diener des Guten Hirten.
Heute ist der Sonntag der Geistlichen Berufungen in der Kirche. Es sind nur wenige, die zu diesem besonderen Dienst berufen sind, aber sie haben sich nicht selbst berufen. Es gibt immer wieder solche, die den Priesterberuf nicht als Berufung von Gott sehen, sondern im Sinne eines Berufes mit Profit und geruhsamen Leben sehen. Aber dann werden sie leicht zu Räubern und Mördern und sind nicht im Dienst des Guten Hirten tätig, sie sammeln nicht, sondern sie zerstreuen.
Das Bild vom Guten Hirten und von den Türhütern bleibt. Es ist ein großes Geheimnis, daß Gott immer wieder junge Menschen in seinen besonderen Dienst ruft. Dies ist bei uns verbunden mit einem besonderen Gelübde der Ehelosigkeit, aber damit ist auch gemeint Bedürfnislosigkeit und kirchlicher Gehorsam. Wenn diese drei Evangelischen Räte nicht zusammen gelebt werden, dann gibt es bald Bruch und Schaden.
Diese besondere Berufung durch das Sakrament der Weihe sollte man deswegen nicht gering achten und sie wird auch im christlichen Volk geschätzt, auch wenn wenig zum Wecken von solchen Berufungen getan wird, durch Gebet und Ermunterung dazu.
Wollen wir wenigstens heute unser Gebet und unsere Spende darin sehen, daß wir um Berufungen in der Kirche beten und selbst unsere Aufgabe wahrnehmen, durch Wort und Beispiel dem Guten Hirten nachzufolgen, damit auch wir ein und ausgehen und Weide finden. Denn so sagt uns Christus heute:
ich bin gekommen, daß sie das Leben haben
und es in Fülle haben.
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